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Musik und Dichtung

 

Seit Liebe strahlt an meines Herzens Wand,
Ist alles außer Liebe mir verbrannt.
Sie nahm mir Buch und Schule und Verstand
Und machte mich mit Reim und Lied bekannt.

{

Seit in meinme Herzen die Liebe aufgehäuft wurde,
ist alles, was ich hatte, verbrannt außer der Liebe.
Verstand und Lektion und Buch legte sie auf das Sims;
Gedicht und Ghasel und Vierzeiler wurde ich gelehrt.

{

Ich lerne di Liebe von Deiner Vollkommenheit.
ich lerne Vers und Ghasel von Deiner Schönheit.
auf der Bühne des herzens tanzt Dein Traumbild.
Ich lerne den schönen Tanz von Deinem Traumbild.

{

Deine Vollkommenheit hat meine Liebe entfacht.
Deine Anmut hat mich um Dichter gemacht.
Es tanzt Dein Traumbild auf der Bühen meines Herzens.
Den schönen Tanz has Du mir beigebracht.

{

Seit Du Den Meschen schufest, wohnt ihm
                durch Dich das Bild der Harfe in'.
Die Seele wird, indem sie betet,
                vor Dir zu einer Sängerin.
Der Du verschenkst mit Deiner Lippen
                Rubin unsterblichen Gewinn,
wirf von dem mächtigen Rubine
                dem Sänger eine Gabe hin!

{

Es klagen die Herzen vo mächtiger Liebe bewogen,
Sie sind ein Rebab, und die Liebe zu Dir ist der Bogen.
Das kann kein Gedanke, und wär er auch haarfein, erfassen,
Wie fein dieses Haar ist, das da in den Bogen gezogen!

{

Aus Liebe zu Ihm ward mein Leib
                zur Flöte, o zur Flöte!
Der Liebe Brennen brachte es
                in Nöte, o in Nöte!
Und wenn der Freund mir meinen Schmerz
                mit Schweigen nur erwidert,
In Seinem Schweigen Antwort ist
                beredte, a beredte!

{

Die Liebe zu Dir erschuf mich
               zum Saitenspiel der Welt,
Du schlugst mich und enthülltest,
               was meijne Seele hält.
So bin ich zur Harfe geworden
               an Klang und an Gestalt.
dein Schlag nur ist es, Dein Fühlen,
               was us mir schluchzt und schallt.

{

O Tag, tritt hervor, damit die Sonnenstäubchen tanzen!
Du, kraft dessen die Luft und die Sphären tanzen,
di Seelen vor Freude ohne Kopf und Fuß tanzen,
ich will dir ins Ohr sagen, wo sie tanzen!

Traumbild des Herzens. Hundert Vierzeiler.
von Dschelaleddin Rumi,- Manesse-Vlg.,
Stuttgart Erscheinungsdatum: 1992

 



 
Last updated: May 9, 2004
rumi.org.uk